Forschung zu psychischer Gesundheitsprävention am Institut für Arbeitsmedizin

Ein Forschungsschwerpunkt des Instituts für Arbeitsmedizin ist die psychische Gesundheitsprävention im Arbeitskontext, die sich in verschiedenen Berufsgruppen mit Ressorucen und Risiken für psychische Wohlbefinden und Gesundheit beschäftigt.

Sie befinden sich hier:

Psychische Gesundheitspävention

Am Institut für Arbeitsmedizin der CharitéUniversitätsmedizin Berlin wird in verschiedenen interdisziplinären Projekten arbeitspsychologische Anwendungs- und Grundlagenforschung durchgeführt. Es bestehen mehrere Kooperationen mit anderen Instituten der Charité, weiteren arbeitspsychologischen und arbeitsmedizinischen Instituten anderer Universitäten, Unternehmen, Krankenkassen und Anwendenden aus der Praxis.

In den Projekten beschäftigen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit den Folgen von Arbeitsbedingungen, Anforderungen und Belastungen für die psychische Gesundheit einerseits. Und andererseits mit den Verhaltensweisen und individuellen Voraussetzungen, die im Arbeitskontext positiv mit psychischer Gesundheit zusammenhängen können. Die Prävention psychischer Gesundheit steht immer Vordergrund. Methoden der psychischen Gefährdungsbeurteilung werden genauso beforscht, wie Interventionen im "Betrieblichen Gesundheitsmanagement" und der "Betrieblichen Gesundheitsförderung".

Arbeit 4.0 - Digitalisierung und Arbeit

Die fortschreitende Digitalisierung bedingt einen weitreichenden Strukturwandel der Gesellschaft und der Arbeitswelt im Speziellen. Besonders technologische Entwicklungen, z.B. Cloud-Technologien, integrierte Datensysteme, virtuelle Realitäten etc., sind Treiber von Veränderungen. In den kommenden Jahren bieten die technologischen Entwicklungen vielfältige Ansatzpunkte für neue Formen des Arbeitens und Wirtschaftens. Nicht alle Auswirkungen des digitalen Wandels sind absehbar. Doch als sicher gilt, dass die Entwicklung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie und die damit einhergehende Neuausrichtung etablierter Organisationsprozesse und Arbeitsbedingungen sowohl neue Chancen als auch neue Herausforderungen für Unternehmen und deren Beschäftigte mit sich bringen werden.
Zwei Fragen zu denen die Abteilung "psychische Gesundheitsprävention im Arbeitskontext" forscht sind:

  • Wie können digitale Arbeitsbedingungen so gestaltet werden können, dass Menschen gesund und leistungsfähig arbeiten können? Hier liegt der Schwerpunkt auf der Verhältnisprävention.
  • Wie können Mitarbeitende dazu befähigt werden, mit den Anforderungen digitaler Arbeitsbedingungen umzugehen? Hier liegt der Schwerpunkt auf der Verhaltensprävention.

Gesundheitsberufe und psychische Gesundheit

Die Gesundheitsberufe weisen im Vergleich zu anderen Berufsbranchen einen extrem hohen Krankenstand auf. Sowohl die Erkrankungshäufigkeit als auch Erkrankungsdauer sind übermäßig hoch. Besonders wichtig ist daher die Betrachtung von Ressourcen für die psychische Gesunderhaltung von Menschen im Gesundheitswesen. Es werden Forschungsprojekte zu verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen am Institut für Arbeitsmedizin durchgeführt. Dazu zählt die Pflege und der Rettungsdienst sowie Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus.

Pflege ist eine Tätigkeit, die ein hohes Maß an Fachwissen, körperlichen und sozioemotionalen Fähigkeiten und Kompetenzen erfordert. Die objektiven Arbeitsbelastungen und das subjektive Belastungserleben im Pflegebereich sind im Vergleich mit anderen Berufsgruppen überdurchschnittlich hoch. Der Bereich der Pflege ist zu dem eine Berufsgruppe, die besonders vom demografischen Wandel betroffen: Viele ältere Pflegende scheiden in den kommenden Jahr aus dem Erwerbsleben aus, die verbleibenden sind physisch den Anforderungen weniger gut gewachsen.

Im Rettungsdienst bestehen neben den belastenden Schichtarbeitszeiten, extreme psychische Belastungen durch mögliche traumatische Erlebnisse.

Ärztinnen und Ärzte sind tragen eine große Verantwortung für die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten. Hinzu kommen psychische Belastungen durch Schichtdienste, starre Hierarchien, Weiterbildungsdruck, Arbeitszeitmangel und Personalmangel.

Quelle:
Rebscher, H. (Hrsg.) (2016). Gesundheitsreport 2016, Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band 13), Heidelberg: medhochzwei Verlag.

Betriebliches Gesundheitsmanagement und psychische Gefährdungsberurteilung

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) umfasst

  • die Koordinierung gesundheitsfördernder Maßnahmen, der sogenannten Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF),
  • Maßnahmen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes und
  • betriebliche Wiedereingliederung.

Als Kern des BGM umfasst das BGF alle Maßnahmen der Senkung gesundheitlicher Belastungen und der Vermehrung gesundheitlicher Ressourcen im Unternehmen. BGM und BGF sind freiwilligen Leistung des Arbeitgebers. Verpflichtende gesetzliche Regelungen gelten hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und der allgemeinen, wie psychischen Gefährdungsbeurteilung.
Am Institut für Arbeitsmedizin wird untersucht, wie BGM und BGF erfolgreich umgesetzt werden können und warum die vorhandenen Maßnahmen nicht bei den Mitarbeitenden ankommen. Ergebnisse aus dem Berufsbranchen Polizei, ambulante Pflege und Altenpflege zeigen:

  • Einzelne besonders engagierte Personen, die BGM verantwortlich sind, tragen maßgeblich zum Gelingen bei.
  • Besonders bei den Mitarbeitenden mangelt es an Zeit, um an den Maßnahmen teilzunehmen.

Die Forschungsarbeiten zu psychischer Gefährdungsbeurteilung beschäftigen sich mit der Entwicklung psychologisch diagnostischer Instrumente, z.B. Online-Befragungen zu digitalen flexiblen Arbeitsbedingungen und Selbstwirksamkeitserwartung.